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Positionspapier zu Gesunheitskompetenzinterventionen in Österreich


Background


Health Literacy / Gesundheitskompetenz (GK) ist ein Konzept das international immer stärker an Bedeutung gewinnt. In Forschung, Praxis und Politik in den Bereichen Public Health und Gesundheitsförderung wird die Gesundheitskompetenz immer mehr als eine ungleich verteilte, aber beeinflussbare soziale Determinante von Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Inanspruchnahme von Krankenbehandlung verstanden (Kickbusch et al. 2013). Die Stärkung der GK wurde vor allem in den österreichischen Rahmen-Gesundheitszielen als ein prioritäres, bundesweites Ziel (Ziel 3 – „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“)- definiert und vom Staatssekretariats für Integration als bedeutendes Problem- und Betätigungsfeld für zukünftige Integrationsanstrengungen anerkannt. Auf der europäischen Ebene fand GK Aufnahme in wichtige gesundheitspolitische Dokumente, wie dem White Paper „Together for Health“ der Europäischen Kommission (2007) oder dem Rahmenprogramm der WHO Europa „Health 2020“ (2012).

Im Rahmen dieses Projekts wurde das Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research vom Verein SV-Wissenschaft damit beauftragt, Handlungsoptionen für die Sozialversicherung zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung zu erarbeiten. Dabei wurden Interventionsmöglichkeiten anhand von internationalen Maßnahmenbeispielen erarbeitet, die prinzipiell auch in Österreich implementiert werden könnten.

Theoretical Famework


(Spät-)Moderne Gesellschaften sind als „Multioptionsgesellschaft“ (Gross, 1994) von individuellen Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten geprägt, die zu vielfältigen Entscheidungsfreiheiten, aber auch Notwendigkeiten führen. Gleichzeitig haben in modernen „Gesundheitsgesellschaften“ (Kickbusch, 2006) fast alle Entscheidungen auch gesundheitliche Auswirkungen. Dadurch steigen und verändern sich auch die sozialen Anforderungen an die persönlichen Fähigkeiten von Individuen zum erfolgreichen Lebens- und Gesundheitsmanagement ständig. Deshalb gilt GK als wichtige, spezifische, soziale Determinante der persönlichen Gesundheit, die auch Ungleichheiten im Gesundheitsstatus erklären kann.

Auf Basis eines systematischen Reviews der internationalen Literatur zu Definitionen und Modellen wurde im Projekt des Health Literacy Survey-Europe (HLS-EU) umfassende GK wie folgt definiert: „Gesundheitskompetenz basiert auf allgemeiner Literacy und umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Domänen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.“ (Sorensen et al., 2012)

Status / Timeline


Abgeschlossenes Projekt

Produkte / Publikationen


Pelikan, J.M., Ganahl, K., Röthlin, F. (2013):

Gesundheitskompetenz verbessern. Handlungsoptionen für die Sozialversicherung

Abstract | Full Text


Projektteam / Kooperationspartner


Projekt Team: Prof. Dr. Jürgen M. Pelikan (Leitung),Kristin Ganahl BA, Mag. Florian Röthlin.

Auftraggeber: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVSV)